Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten

Es ist ein Glück, dass unser Leben immer länger währt. Aber dies bedeutet auch: Immer mehr Menschen werden zukünftig an sogenannten Volkskrankheiten leiden. Daher gilt es, Volkskrankheiten intensiver zu erforschen, um sie besser bekämpfen zu können.

Eine Forscherin füllt im Labor eine Probe in ein kleines Gefäß.

Die Förderpolitik des Bundesforschungsministeriums verzahnt Klinik und Forschung, damit Erfolge aus dem Labor die Versorgung der Menschen schneller verbessern.

DLR Projekttraeger / BMBF

Erkenntnisse der nationalen und internationalen lebenswissenschaftlichen Forschung ermöglichen innovative Strategien für die Diagnostik und Therapie, zunehmend auch für die Früherkennung und die Prävention von Krankheiten. Gesundheitsforschung schafft aber erst dann Fortschritt, wenn die Menschen von ihr profitieren. Oft dauert es noch sehr lange, bis neue wissenschaftliche Erkenntnisse die medizinische Regelversorgung erreichen und ihre Wirkung zum Wohl der Patientinnen und Patienten entfalten. Diesen als Translation bezeichneten Prozess schneller und effektiver zu gestalten ist ein Leitgedanke des Rahmenprogramms Gesundheitsforschung.

Neue Strukturen in der Gesundheitsforschung

Die universitäre, außeruniversitäre und industrielle Gesundheitsforschung in Deutschland ist für ihre wissenschaftliche Leistungsfähigkeit international anerkannt. Die Beschleunigung der Translation stellt die bestehenden Strukturen jedoch vor große Herausforderungen, denn Gesundheitsforschung und Gesundheitsversorgung finden zumeist noch zu sehr isoliert voneinander statt. Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler, Ärztinnen und Ärzte müssen sich zukünftig stärker miteinander vernetzen und eng zusammenarbeiten – über die derzeitigen Grenzen von Forschungs- und Versorgungsinstitutionen und auch über die Fächergrenzen hinweg.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt diesen Prozess. Es fördert den Aufbau interdisziplinärer Strukturen, die die Translation beschleunigen. Bei der Bekämpfung der Volkskrankheiten ist der Handlungsbedarf besonders drängend. Denn durch das Geschenk des längeren Lebens steigt auch die Zahl der Menschen, die an Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen und Infektionen leiden.

Integrierte Forschungs- und Behandlungszentren (IFB)

Das Zusammenspiel von Forschung und Patientenversorgung in der deutschen Hochschulmedizin verbessern – dafür stehen diese vom BMBF geförderten Modellzentren. In den IFB arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Grundlagenforschung und Klinik an einem gemeinsamen Standort eng zusammen. Dadurch optimieren sie die Voraussetzungen für eine exzellente klinische Forschung und eine schnelle Translation. Ein wesentlicher Erfolg ist auch die Verbesserung der Nachwuchsförderung, um hochqualifizierte Expertinnen und Experten in Deutschland zu fördern und so den Forschungsstandort Deutschland zu stärken. Die IFB etablieren neue und attraktive Karrierewege für junge Forscherinnen und Forscher.

Seit dem Jahr 2008 fördert das BMBF insgesamt acht Zentren. Jedes der für insgesamt zehn Jahre geförderten IFB widmet sich einem der folgenden Krankheitsgebiete:

  • Schlaganfall
  • Chronische Immundefizienz
  • Transplantation
  • Sepsis und Sepsisfolgen
  • Adipositas
  • Thrombose und Hämostase
  • Schwindel
  • Herzinsuffizient

Informationen zu den einzelnen IFB: Integrierte Forschungs- und Behandlungszentren
 

Konzept und Ziele der IFB

Klinische Spitzenforschung verbessern

Die medizinische Ausbildung an deutschen Hochschulen ist stark auf die ärztliche Tätigkeit ausgerichtet. Für wissenschaftliches Arbeiten bietet sie derzeit zu wenig Raum. Die IFB hingegen verstehen Forschung als essenziellen Teil der ärztlichen Aufgaben. Alle angehenden Ärztinnen und Ärzte erhalten entsprechende Freiräume. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit können sie in den Bereichen Forschung, Lehre und Krankenversorgung flexibel verschieben.

Wissenschaftlichen Nachwuchs fördern

Die IFB bieten planbare Karrierewege auf allen Ebenen des wissenschaftlichen und ärztlichen Werdeganges. Hierbei handelt es sich um Stellenkontingente – von Forschungsstellen für Post-Docs über Führungspositionen in Nachwuchsforschergruppen bis hin zu hausinternen Professuren. Das macht die klinische Forschung daher auch für angehende Ärztinnen und Ärzte zu einem attraktiven Arbeitsgebiet.

Translation beschleunigen

Die als IFB geförderten Hochschulen und Universitätskliniken zeichnen sich durch exzellente Grundlagen- und patientenorientierte Forschung in einem bestimmten Krankheitsgebiet aus. Sie entwickeln fächerübergreifende Strukturen, die Forschung und Patientenversorgung enger miteinander verzahnen. Forschungsergebnisse können vor Ort etwa durch klinische Studien überprüft werden. Das ermöglicht den schnelleren Transfer innovativer Behandlungen in die Patientenversorgung.

Vernetzte Forschungsverbünde

Schweren Volkskrankheiten liegen oft vielfältige Ursachen zugrunde. So sind beispielsweise Störungen der komplexen Vorgänge in Gehirnen und im Nervensystem verantwortlich für Alzheimer-Demenz, Depression oder Multiple Sklerose. Um das Verständnis dieser Erkrankungen zu verbessern, fördert das BMBF eine vernetzte Forschung.

Forschungsnetzwerke verbinden Arbeitsgruppen, die gemeinsam zu bestimmten Themen oder Erkrankungen arbeiten – und das deutschlandweit. So werden vorhandene Expertisen gebündelt und Ressourcen effizienter genutzt. Hierdurch entstehen neue, wirksamere Präventions-, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten.

Neben Forschungsverbünden zu den Erkrankungen des Nervensystems und der Psyche fördert das BMBF aktuell die vernetzte Forschung auch auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten und der muskuloskelettalen Erkrankungen.

Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung (DZG)

Die Kräfte von exzellenter Forschung zu bündeln, um Volkskrankheiten besser bekämpfen zu können – das ist das Ziel der vom BMBF und den Ländern geförderten Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Jedes Zentrum besteht aus mehreren Partnerstandorten, die über ganz Deutschland verteilt sind.

Informationen zu den einzelnen DZG: Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung
 

Konzept und Ziele der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung

Auswahl, Begleitung und Evaluation der DZG

In den DZG vernetzen sich führende außeruniversitäre Einrichtungen und Universitätsmedizin als gleichberechtigte Partner. Renommierte Expertinnen und Experten wählen sie anhand eines Bewerbungsverfahrens für die Teilnahme an den Zentren aus. Um den Erfolg der DZG sicherzustellen, begleiten international besetzte Gremien ihre Arbeit. Die wissenschaftliche Exzellenz und die strategische Ausrichtung der Zentren werden regelmäßig evaluiert.

Translation beschleunigen und die Gesundheitswirtschaft stärken

Das Erfolgsrezept der DZG besteht darin, Grundlagenforschung und patientenorientierte Forschung eng miteinander zu verzahnen. Diese kooperative Struktur bietet optimale Voraussetzungen für die Entwicklung innovativer Ansätze zur Bekämpfung der Volkskrankheiten.

Jedes DZG umfasst mehrere Partnerstandorte. An mehr als 50 Standorten bündeln mehr als 120 universitäre und außeruniversitäre Partner ihre Kapazitäten und Qualitäten für eine international konkurrenzfähige Spitzenforschung. Die DZG richten ihre Aktivitäten auf die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Ergebnisse aus und kooperieren mit Unternehmen. Sie beschleunigen so die Anwendung der Forschungsergebnisse in der Versorgung und stärken die deutsche Gesundheitswirtschaft.