Das Verbundprojekt TIDY beschäftigt sich mit dem Thema Zellbiologie, genauer gesagt mit der Untersuchung des Zellwachstums und der Zellausdifferenzierung. Die komplexe Funktions- und Regulationsweise von Zellen – wie sie sich teilen, wachsen und spezialisieren – ist bislang nur teilweise aufgeklärt. Seit mehreren Jahren werden mithilfe hochentwickelter Versuchswerkzeuge aufwändige Experimente durchgeführt, die große Datensätze liefern und mit denen die Abläufe bei der Zellteilung sowie der Zellspezialisierung detailliert erforscht werden. In Kombination mit mathematischen Analysemodellen können aus diesen Daten am Computer viele weitere Informationen gewonnen werden. Die bestehenden Softwareprogramme sind jedoch kompliziert und nur in enger Zusammenarbeit mit IT-Spezialistinnen und IT–Spezialisten anwendbar, so dass eine systematische Auswertung nur sporadisch erfolgt und große Datenmengen bislang weitgehend ungenutzt bleiben.
Hier setzt TIDY an: Im Rahmen des Projekts soll eine benutzerfreundliche mathematische Werkzeugbox entwickelt und validiert werden, mit der künftig durch Modellrechnung die Rate des Zellwachstums und der Zellausdifferenzierung im lebenden Organismus bestimmt werden kann. Es ist geplant, mithilfe von Daten aus Experimenten mit markierten Zellen mathematische Abschätzungsmodelle zu erstellen, diese ausführlich zu testen und anschließend den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zur Verfügung zu stellen. Auch für die Untersuchung von Zelldifferenzierungswegen sollen aus einzelzellbasierten Datensätzen entsprechende Computermodelle entwickelt werden.
Das neue Softwarewerkzeug wird einen wesentlichen Beitrag zur weiteren Erforschung der regulatorischen Netzwerke in der Zellentwicklung liefern und Anwendung sowohl in der Stammzellforschung, der Entwicklungsbiologie, der Immunologie als auch auf dem Gebiet der regenerativen Medizin finden.